FEI Para Dressage World Championship: Die ersten Weltmeister kommen aus den Niederlanden, den USA und Deutschland

Siegerehrung im Stadion 3: Drei ausgezeichnete Reiterinnen und Reiter stehen auf dem Podium auf den Plätzen eins bis drei, flankiert von vier Ehrengästen. Im Hintergrund sind Tribünen, Sponsorenlogos und das Logo der FEI World Championships Aachen 2026 zu sehen.

In Stadion 3 im Allianz Park sind heute die Wettbewerbe der Para-Dressur gestartet. In den Grades I, II und III ging es für die Athleten im Preis der StädteRegion Aachen nicht nur um die ersten Medaillen im Grand Prix A Einzelfinale, sondern zugleich auch um die erste Qualifikation für die Grand Prix Kür.

„Er hat ein Herz aus Gold“, sagte Rixt van der Horst über ihren elfjährigen, in Westfalen gezogenen Fuchshengst Eisma’s Royal Fonq N.O.P. Im Stadion 3 bewies ihr vierbeiniger Sportpartner heute einmal mehr, dass er nicht nur imposant daherkommt, sondern auch sportlich Großes zu leisten vermag. Gemeinsam mit seiner niederländischen Reiterin betrat er als zweites Starterpaar das Viereck. Als dreifache Europameister angereist, zählte das Paar zum Kreis der Favoriten in Grade III. Diesem Anspruch wurde es mit einer ausdrucksstarken und von zahlreichen Höhepunkten geprägten Prüfung eindrucksvoll gerecht. Mit 77,534 Prozent erzielten van der Horst und Eisma’s Royal Fonq N.O.P. eine persönliche Bestleistung und setzten damit die Messlatte für die Konkurrenz. „Das Stadion ist schon sehr imposant“, sagte die 34-Jährige, die mit spastischer Diplegie, einer Form der zerebralen Bewegungsstörung, lebt. Auch ihr Hengst, den sie vor drei Jahren im Stall von Dinja van Liere entdeckt hatte, habe angesichts der besonderen Atmosphäre einige Male aufmerksam die Ohren gespitzt. Umso zufriedener zeigte sich van der Horst mit dem gelungenen Auftakt: „Für die erste Prüfung bin ich mehr als happy damit, wie wir beide das gemeistert haben.“

Die Wartezeit bis zur endgültigen Entscheidung war lang: Noch 17 weitere Starterpaare folgten, bevor feststand, dass ihr Ergebnis zum Titel – dem insgesamt sechsten Weltmeisterschaftsgold ihrer Karriere – reichen würde. „Das war wirklich nervenaufreibend“, gestand die Niederländerin. Am nächsten kam ihr der dänische Championats-Routinier Tobias Thorning Joergensen. Der Doppel-Olympiasieger von Tokio präsentierte sich mit seinem zehnjährigen Oldenburger Blue Hors Zackorado als vertraute und eingespielte Einheit. Mit 75,100 Prozent sicherte sich das Paar die Silbermedaille. Bronze ging an Francesca Salvadé aus Italien. Mit dem neunjährigen Escolar-Sohn Escari erzielte die 37-Jährige 74,767 Prozent und gewann damit nach EM-Kür-Bronze 2025 ihre zweite internationale Einzelmedaille.

Gold zum Geburtstag in Grade I

Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte sich die US-Amerikanerin Marie Vonderheyden kaum machen können: Im Sattel ihres routinierten Fan Tastico H, der bei den Paralympischen Spielen in Paris 2024 noch Roxanne Trunnell zu Medaillen getragen hatte, erzielte die 46-Jährige 76,709 Prozent. Für Vonderheyden, die einst erfolgreich für Frankreich in der Vielseitigkeit startete, ist dieser Erfolg von ganz besonderer Bedeutung: Nach einem schweren Reitunfall vor elf Jahren lag sie zwei Monate im Koma und hat bis heute mit erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen. Bei ihrem WM-Debüt gewann sie nun auf Anhieb die Goldmedaille. „Mein Pferd ist so ein toller Kerl“, freute sich die Siegerin. „Mit meiner Prüfung bin ich sehr zufrieden – auch wenn es natürlich immer noch Dinge gibt, die wir verbessern können.“

Hinter ihr sicherte sich Mari Durward-Akhurst mit Athene Lindebjerg die Silbermedaille. Die 19-jährige Gribaldi-Tochter war bereits die Partnerin der Britin bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris, wo sie mit Bronze in der Kür ihren bislang größten internationalen Erfolg feierte. Heute wurde ihre Prüfung mit 74,542 Prozent und der Silbermedaille belohnt. Auf den Bronzerang ritt Sara Morganti. Die routinierte Italienerin präsentierte bei einem Championat erstmals die erst siebenjährige Bon-Coeur-Tochter Bond Girl. Mit 74,459 Prozent fügte sie ihrer beeindruckenden Erfolgsbilanz eine weitere Bronzemedaille hinzu.

Wimpernschlagentscheidung in Grade II

Als eine der großen Favoritinnen war die dreifache Europameisterin Heidemarie Dresing mit ihrer elfjährigen Fürstenball-Tochter Poesie angereist. Im Sattel ihrer Stute musste die 71-Jährige jedoch gleich zu Beginn der Aufgabe all ihre reiterliche Klasse und Erfahrung aufbieten: Poesie erschrak unmittelbar nach dem Start, und es bedurfte des ganzen Einfühlungsvermögens ihrer Reiterin, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen. „Ich kenne mein Pferd sehr genau“, erklärte Dresing. „Daher ist es mir schnell gelungen, ihr Vertrauen zurückzugewinnen.“ Mit einer schwungvollen und ausdrucksstarken Darbietung, bei der insbesondere die harmonischen Übergänge zwischen Schritt und Trab hervorzuheben waren, gelang es dem Paar, den Fehler vom Beginn mehr als auszugleichen und das Ergebnis auf 75,483 Prozent zu schrauben. Ob sie unterwegs nervös gewesen sei? „Dafür war keine Zeit – ich hatte jede Menge Aufgaben zu erledigen“, sagte sie nach ihrer Prüfung mit einem Lächeln. „Mit der Goldmedaille hier in Aachen ist ein Traum wahr geworden.“

Die Abstände zur Konkurrenz waren hauchdünn, die Freude über die Silbermedaille aber ebenso riesengroß. Immer wieder blickte die Dänin Katrine Kristensen auf die Anzeigetafel, um sich zu vergewissern, dass ihre 75,310 Prozent tatsächlich für einen Platz auf dem Podium gereicht hatten. Die Doppel-Weltmeisterin von Herning 2022 war überglücklich, auch in Aachen eine Medaille gewonnen zu haben. Bronze ging mit 75,241 Prozent an die Britin Jemima Green mit dem achtjährigen Foundation-Sohn Fantabulous – ein Paar, das bereits im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften zweimal Bronze gewonnen hatte.